Friaul-Julisch Venetien

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Friaul-Julisch Venetien
Wappen der Region Friaul-Julisch Venetien Flagge der Region Friaul-Julisch Venetien
Basisdaten
Hauptstadt: Triest
Amtssprachen: Italienisch; in Landesteilen werden Furlanisch, Slowenisch und Deutsch anerkannt.
Provinzen: 4
Fläche: 7.856,48 km² (17.)
Einwohner: 1.207.087 (31. August 2005)
Bevölkerungsdichte: 154 Einwohner/km²
Website: www.regione.fvg.it
ISO 3166-2: IT-36
Präsident: Renzo Tondo
Karte
Karte Italiens, Friaul-Julisch Venetien hervorgehoben
Die Provinzen
Die Provinzen

Friaul-Julisch Venetien (italienisch Friuli-Venezia Giulia, slowenisch Furlanija-Julijska krajina, furlanisch Friûl-Vignesie Julie) ist eine autonome Region im äußersten Nordosten Italiens. Friaul-Julisch Venetien hat eine Fläche von 7.845 km² und etwa 1,2 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Triest.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Friaul-Julisch Venetien setzt sich aus den Gebieten Friauls (90% der Gesamtfläche) und Julisch-Venetiens zusammen. Letzteres Gebiet erstreckte sich auch auf die Halbinsel Istrien, die nach dem Zweiten Weltkrieg Jugoslawien zugeschlagen wurde. Der Name Julisch Venetien wurde vom Linguisten Graziadio Isaia Ascoli aufgrund der Tatsache geprägt, dass ein Großteils des Gebietes, mit Ausnahme des österreichischen Hafens Triest, über Jahrhunderte der Republik Venedig angehörte.

Die autonome Region liegt am Adriatischen Meer und grenzt im Norden an Kärnten (Österreich), im Osten an Slowenien, im Westen an Venetien. Das regionale Gebiet ist größtenteils durch Berglandschaften geprägt (42,5%), weitere 19,3% der Fläche sind hügelig, auf die restlichen 38,1% erstreckt sich die Poebene. Wichtigste Flüsse sind der Tagliamento und der Isonzo, an dessen Verlauf im Ersten Weltkrieg zwölf Isonzoschlachten geschlagen wurden. Die Region ist in 4 Provinzen und 219 Gemeinden unterteilt. Die Provinzen Pordenone (erst 1968 errichtet) und Udine sowie ein kleiner Teil der Provinz Görz bilden das Friaul, der Großteil der Provinz Görz und die Provinz Triest bilden den heute noch italienischen Teil von Julisch Venetien.

Provinz Autokennzeichen Bevölkerung (2006) Fläche (km²) Dichte (ab/km²)
Provinz Gorizia GO 141.229 466 303
Provinz Pordenone PN 303.258 2.178 139
Provinz Triest TS 236.512 212 1.115
Provinz Udine UD 531.603 4.905 108
Friaul-Julisch Venetien 1.212.602 7.845 154

Die größten Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern sind in der Folge aufgelistet(Quelle Istat, 31. Dezember 2006).

Gemeinde Einwohner Provinz
Triest 208.621 TS
Udine 96.750 UD
Pordenone 50.518 PN
Gorizia 36.172 GO
Monfalcone 27.701 GO
Sacile 19.577 PN
Cordenons 18.247 PN
Codroipo 15.159 UD
Porcia 14.792 PN
Azzano Decimo 14.457 PN
San Vito al Tagliamento 14.241 PN
Tavagnacco 13.783 UD
Muggia 13.414 TS
Latisana 13.037 UD
Cervignano del Friuli 12.861 UD
Ronchi dei Legionari 11.810 GO
Spilimbergo 11.733 PN
Maniago 11.632 PN
Cividale del Friuli 11.515 UD
Gemona del Friuli 11.080 UD
Fiume Veneto 10.903 PN
Fontanafredda 10.719 PN
Tolmezzo 10.539 UD

[Bearbeiten] Geschichte

Nach der Niederlage Italiens im Zweiten Weltkrieg, wurde am 10. Februar 1947 in Paris mit den Alliierten ein Friedensvertrag unterzeichnet, der die Errichtung des Freien Territoriums Triest unter dem Schutz der Vereinten Nationen vorsah. Die italienische Zugehörigkeit des Friauls wurde hingegen nicht in Frage gestellt.

Das Territorium sollte in zwei Zonen eingeteilt werden:

  • Zone A im Norden mit einer Fläche von 222,5 km² und 262.000 Einwohnern umfasste hauptsächlich Triest und wurde von britischen und US-amerikanischen Soldaten besetzt.
  • Zone B mit einer Fläche von 515,5 km² und 71.000 Einwohnern umfasste den Nordwesten Istriens und wurde von der Jugoslawischen Volksarmee besetzt. Rund 300.000 Italiener wurden aus der Zone B und aus dem weitaus größeren Gebiet Istriens vertrieben.

Formell entstand das Freie Territorium Triest am 15. September 1947, dem Tag des Inkrafttretens des Friedensvertrags. Nachdem sich die Alliierten auch sieben Jahre nach Gründung des Territoriums im UN-Sicherheitsrat nicht auf die Nominierung eines Gouverneurs einigen konnten und sich die innere Zonenteilung des Territoriums vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs zunehmend verfestigte, zeigte sich das Scheitern des Versuchs, einen neutralen, multiethnischen Freistaat Triest zu schaffen. Ohne einen gemeinsamen Gouverneur konnte eine einheitliche und von den Besatzungsmächten unabhängige Verwaltung nicht etabliert werden. Dies erkannten schlussendlich auch die Alliierten – sie beendeten das Triestiner Experiment.

Am 5. Oktober 1954 wurde in London von den Regierungen Italiens, Großbritanniens, der USA und Jugoslawiens ein Memorandum unterzeichnet, mit dem die Zivilverwaltung in Zone A „provisorisch“ an Italien und in Zone B an Jugoslawien übergeben wurde (mit nur geringfügigen Grenzänderungen). Italien sicherte den Fortbestand Triests als Freihafen gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrags zu. Das Memorandum wurde auch vom UN-Sicherheitsrat angenommen. Mit der Übergabe der Verwaltung in Zone A an Italien durch die Alliierte Militärregierung am 26. Oktober 1954 hörte das Freie Territorium Triest auf zu bestehen. Endgültig zwischen Italien und Jugoslawien aufgeteilt wurde das Gebiet des früheren Freien Territoriums Triest erst am 10. November 1975 mit dem Vertrag von Osimo.

Die Region Friaul-Julisch Venetien entstand 1963 und wurde ähnlich wie das Trentino und Südtirol mit einem Sonderstatut versehen. Als regionale Hauptstadt wurde Triest gewählt, was bei der furlanischen Bevölkerungsgruppe mit Unmut aufgenommen wurde. Die Regierung in Rom wollte aber der seit Ende des Ersten Weltkrieges ewig kriselnden Stadt zur alten Pracht wiederverhelfen. Tatsächlich gehört Triest heute zu den italienischen Städten mit der höchsten Lebensqualität.

Das Friaul wurde 1976 von einem schrecklichen Erdbeben erschüttert (sog. „Terremoto del Friuli“), das in ganz Norditalien und im benachbarten Jugoslawien zu spüren war. Die Katastrophe ereignete sich am Abend des 6. Mai und traf vor allem das Gebiet nördlich von Udine. 965 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 45.000 wurden obdachlos. Der Wiederaufbau dauerte immerhin 10 Jahre.

[Bearbeiten] Bevölkerung und Sprache

In der Region ist Italienisch Amtssprache und wird von der ganzen Bevölkerung gesprochen, als erste oder zweite Muttersprache.

Aufgrund des Staatsgesetzes 482/99 werden das Furlanische, das Slowenische und das Deutsche als geschützte Minderheitensprachen anerkannt.

Deutsche Mundarten werden im Kanaltal, im Ortsteil Timau-Tischelwang der Gemeinde Paluzza, in Sauris-Zahre gesprochen. Insgesamt werden in der Region 4.800 Deutschsprachige gezählt. Sie bilden somit die kleinste Minderheit und genießen im Vergleich zu den anderen Sprachgruppen sehr bescheidene Rechte.

Slowenisch spricht man ebenfalls im Kanaltal, in der Beneška Slovenija (it. Slavia veneta), im Gebiet Collio, im Görzer Karst, in einigen Gemeinden der Bisiacaria und im Résiatal. 56.000 Einwohner, das entspricht 4,7% der regionalen Bevölkerung, sind slowenische Muttersprachler. Die Slowenen sind die am besten geschützte Minderheit. In den Provinzen Triest und Görz, wo ihr Anteil bei überdurchschnittlichen 7,1% bzw. 7,4% liegt, wird der muttersprachliche Unterricht (allerdings nur in der Grundschule) garantiert. Es gibt insgesamt 109 Schulen mit slowenischer Unterrichtssprache. Überdies stehen der Sprachgruppe der RAI-Sender Triest, die Tageszeitung Primorski Dnevnik sowie drei Wochenzeitschriften zur Verfügung. Im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung ist der Minderheitenschutz teilweise, vor Gericht (anders als in Südtirol) gar nicht verwirklicht worden. Dort dominiert weiterhin das Italienische.

Ein Großteil der Bevölkerung spricht neben Italienisch auch Friaulisch, das eine anerkannte und geförderte Sprache ist. Alle Schulen im Friaul sind verpflichtet, mindestens eine Wochenstunde im Fach Friaulisch anzubieten. Die Schüler können allerdings bei der Inskribierung auf den Unterricht verzichten. Mehr als 50% der Schüler hat sich dafür entschieden, den Unterricht wahrzunehmen. Vielerorts ist die auch Toponomastik zweisprachig. 40% der Verkehrsbeschilderung trägt schon italienische und furlanische Ortsnamen. Somit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass es über 500.000 friaulische Muttersprachler gibt, die in der Provinz Udine fast 75% der Bevölkerung ausmachen und im regionalen Durchschnitt immerhin 43%.[1]

An der Grenze zu Venetien, entlang der Küste und in Triest werden venetische Dialekte gesprochen. Diese genießen jedoch keinerlei Anerkennung.

[Bearbeiten] Autonomie und Politik

Wegen der damals isolierten Position, am Rande des eisernen Vorhangs, aber auch wegen der sprachlichen Vielfalt, wurde der Region eine gewisse Autonomie zugestanden. Was die finanzielle Autonomie betrifft, stehen Friaul-Julisch Venetien 60% der im regionalen Gebiet eingetriebenen Steuern zu.

Die Mitte-Links Regierung unter dem Unternehmer Riccardo Illy war bestrebt, die Rolle des Furlanischen zu untermauern und eine offizielle Anerkennung der drei Landessprachen Furlanisch-Slowenisch-Deutsch in der regionalen Verfassung zu verankern.

Nach den Regionalwahlen vom 13. und 14. April 2008 konnte die Mitte-Rechts Koalition unter Führung von Renzo Tondo die Regionalregierung zurückerobern.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Landwirtschaft spielt mittlerweile nur noch eine geringe Rolle. Einige Produkte wie der Rohschinken aus San Daniele del Friuli genießen einen ausgezeichneten Ruf.

Die Industrie ist, wie im italienischen Nordosten üblich, von Kleinst- und Kleinunternehmen geprägt, die vor allem im Textil- und Möbelbereich sehr aktiv sind.

In Triest ist übrigens der Versicherungsriese Assicurazioni Generali ansässig. Auch der Kaffeefabrikant Illy (Espresso) hat seinen Sitz in der Hafenstadt.

Eine bedeutende Rolle spielt auch der Tourismus: die Badeorte Grado und Lignano Sabbiadoro gehören zu den beliebtesten an der Adria.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 117,4 (EU-27:100) (2003). Nominal beläuft sich das pro-Kopf-Einkommen auf 26.098 €. [2]

[Bearbeiten] Persönlichkeiten aus der Region

In Triest kam der Schriftsteller Italo Svevo zur Welt, der dort auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Der bekannte Regisseur und Dichter Pier Paolo Pasolini ist zwar in der Region weder geboren noch gestorben, aber er hat eine Zeit in Casarsa della Delizia verbracht, dem Heimatort seiner Mutter, darüber geschrieben und ist dort begraben.

Auch die italienischen Fußballspieler und Fußballtrainer Enzo Bearzot, Dino Zoff und Fabio Capello sind gebürtige Friauler.

[Bearbeiten] Literatur

  • Klaus Zimmermann, Andrea C. Theil, Christoph Ulmer Friaul und Triest DUMONT Kunstreiseführer; DuMont Reise Verlag, Ostfildern (3., aktualisierte Auflage 2006), ISBN 3-7701-6613-2
  • Daniela Schetar, Friedrich Köthe Friaul, Venetien mit Gardasee Verlag REISE KNOW-HOW Peter Rump, Bielefeld (2., aktualisierte Auflage 2007), ISBN 3-8317-1235-2

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary
 Wiktionary: Friaul-Julisch Venetien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Quellen

  1. L'Aménagement Linguistique dans le Monde
  2. Regionales BIP pro Kopf der EU27, http://www.eds-destatis.de/de/press/download/07_02/023-2007-02-19.pdf

Koordinaten: 46° 6′ N, 13° 7′ O