Varg Vikernes

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Varg Vikernes[1][2][3] (* 11. Februar 1973 in Bergen/Norwegen; gebürtig: Kristian Vikernes), auch bekannt als „Count Grishnackh“ oder „Greven“ („der Graf“), ist Gründer des Black-Metal-Projektes Burzum und Autor mehrerer Bücher.

Vikernes wurde 1994 wegen Mordes an Øystein „Euronymous“ Aarseth, dem Gitarristen der Black-Metal-Band Mayhem, Brandstiftung an drei norwegischen Kirchen, versuchter Brandstiftung an einer weiteren Kirche sowie Besitzes von Waffen und Sprengstoff (mit dem er laut der Presse den Nidarosdom, eigenen Angaben zufolge das „Blitz House“ und das norwegische Parlament sprengen wollte[4]) zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt. Eine Beteiligung Vikernes an der Brandstiftung der berühmten Stabkirche Fantoft, die er sich selbst (angeblich wegen Publicity[5]) zuschrieb[6] und deren Überreste auf dem Cover der Burzum-EP „Aske“ zu sehen sind, konnte vor Gericht nicht nachgewiesen werden. Wegen des Mordes wird er von Teilen der Szene als Verräter angesehen.

Zwischen 1991, nach dem Suizid des ehemaligen Mayhem-Sängers Per Yngve „Dead“ Ohlin (Vikernes hatte ihm die Munition zugesandt, behauptet allerdings, von Deads Absichten nichts gewusst zu haben), und dem Mord an Aarseth (1993) spielte er selbst Bass bei Mayhem (er selbst behauptete im Nachhinein, niemals wirklich Bassist der Band gewesen zu sein[2]), zu hören auf dem Album „De Mysteriis Dom Sathanas“, war mit Aarseth befreundet gewesen und veröffentlichte die Aske-EP und das Debütalbum seiner Band auf dessen Label Deathlike Silence Productions (DSP). Frühen Interviews zufolge war er mit DSP zufrieden[7][8], inzwischen behauptet er das Gegenteil.[9]

Zu seiner Ikonisierung tragen nicht zuletzt die frühen Veröffentlichungen seines Projekts Burzum bei, welche einen nicht geringen Teil des heutigen Black Metal beeinflussten. Allerdings führten auch gerade der Verlauf seines Prozesses und ein mit ihm Einzug haltender Sensationsjournalismus zu seinem heutigen Bild in der Öffentlichkeit, welches er selbst nicht gerade begeistert aufzunehmen scheint.

Vikernes wandte sich nach seiner Inhaftierung immer mehr der rechtsextremistischen Szene zu und ist Mitbegründer der Allgermanischen Heidnischen Front. Zudem verbreitete er seine Weltanschauung durch das maßgeblich von ihm ersonnene Magazin „Filosofem“, an dem auch Michael Moynihan (Mitverfasser des Buches „Lords of Chaos“) und Vidar von Herske mitarbeiteten. Durch seine Ideologie und sein Handeln ist er bei vielen Anhängern der Metalszene umstritten, bei einigen aber auch zur Kultfigur geworden, insbesondere innerhalb der als „National Socialist Black Metal“ (NSBM) bezeichneten Strömung. In Interviews aus der Zeit vor Aarseths Ermordung waren Vikernes’ Äußerungen zu Politik, Rassismus und Nationalsozialismus eher diffus; so äußerte er 1992, man sollte 99% der Menschheit vergasen und entweder mit Asien oder „bei den Negern in Norwegen“ beginnen und eine Mauer um Norwegen, Schweden und Island bauen[10], in einem anderen Interview äußerte er: „Fuck politics! Make war not love.“[8] Ein weiteres beendete er mit „Heil Hitler.“[5] In einem anderen äußerte er, jede Form von Unterdrückung inklusive des Christentums zu befürworten.[11] Mitte der 1990er Jahre bezeichnete Vikernes das „Dritte Reich“ als seine Vorstellung einer idealen Gesellschaft[12] und leugnete den Holocaust, dass er ein Nazi sei, sei hingegen eine jüdische Lüge.[13] In seinem Artikel „A Burzum Story: Part VII – The Nazi Ghost“ distanziert Vikernes sich ausdrücklich vom Nationalsozialismus; er sei kein Sozialist und auch kein Materialist, sondern würde auf die („urtümliche skandinavische“) Demokratie vertrauen. Der Mensch solle den Bezug zu seiner Heimat, zu seiner Religion nicht verlieren und sich nicht beeinflussen lassen.

“The 'nazi ghost' has scared millions of Europeans from caring about their blood and homeland for sixty years now, and it is about time we banish this ghost and again start to think and care about the things that (whether we like it or not) are important to us.”

A Burzum Story: Part VII[14]

Doch auch wenn er sich vom Nationalsozialismus distanziert, bekennt er sich dennoch zum Nationalismus und einem ausgeprägten Rassismus und Antisemitismus. Zusätzlich zu dem im vorherigen Zitat erwähnten „Blut und Heimatland“-Gedanken, von dem man sich nicht durch „das Nazi-Gespenst“ abschrecken lassen sollte, widmet er einen ganzen Absatz seiner Darstellung des Mordes an Aarseth der Frage der Abstammung seines Opfers und verwendet dabei die Bezeichnung „Lappe“, ein veralteter Name für Samen, der von ihnen als abwertend empfunden wird.

“Even the people who criticize me for killing a fellow Norwegian are wrong. Euronymous was actually Lappish, as can be clearly seen from the pictures of him. His Lappish (Mongolian) facial features are very visible, his hair was typical Lappish (thin and straight) and his stature was revealing too (like most Laps he was very short).”

A Burzum Story: Part II[9]

Obwohl er sich vom Nationalsozialismus distanziert behauptet er nicht ohne Stolz mit Vidkun Quisling verwandt[15] und in seiner Jugend Skinhead und Neonazi gewesen zu sein.[16][13]

Vor „Burzum“ gründete Vikernes zusammen mit zwei Freunden zunächst die Band „Kalashnikov“ (später umbenannt in „Uruk-Hai“). Später jedoch, nach ihrer Auflösung, spielte er unter anderem mit Olve „Abbath“ Eikemo von Immortal in der Death-Metal-Band Old Funeral. Er behauptet jedoch, sich nicht als Teil der Band gefühlt zu haben und nur Gastmusiker gewesen zu sein. Darüber hinaus spielte er mit Eikemo in einem Projekt namens Satanel.[2]

Seine Zeit in Haft nutzte er für weitere Aufnahmen seines Projekts Burzum, welche jedoch dem Ambient zuzuordnen sind, was Vikernes damit begründete, dass er sich mit dem Black Metal nicht mehr verbunden fühle[3][17] und Metal „fremde“ Musik mit Wurzeln in der „Nigger-Musik“ (siehe auch Negermusik) sei[18] (er gab jedoch auch bekannt, sollte er nach seiner Freilassung weitere Alben aufnehmen, würden diese stilistisch wieder den alten Veröffentlichungen ähneln[19]), aber auch für das Verfassen mehrerer Bücher, am bekanntesten wohl Vargsmål, und ausführlicher Beschäftigung mit der europäischen Geschichte.

Darüber hinaus schrieb er für die Band Darkthrone die Texte zu Graven Takeheimens Saler, I En Hall Med Flesk Og Mjød, As Flittermice As Satans Spys, En As I Dype Skogen (auf dem Album Transilvanian Hunger zu finden) und Quintessence (auf dem nachfolgenden Album Panzerfaust). Bei den Erwähnungen Satans in diesen Texten, u. a. im Zusammenhang mit einem Auge, das als Lichtquelle fungiert, handelt es sich um versteckte Anspielungen auf Odin, der hier ebenso wie Satan als Opposition zum Christentum zu sehen ist. Am Ende des Stückes As Flittermice As Satans Spys ist die von ihm gesprochene Rückwärtsbotschaft „In the name of God, let the churches burn“ („im Namen Gottes, lasst die Kirchen brennen“) zu hören.

Wie viele andere Musiker aus dem Black-Metal-Bereich stilisierte sich Vikernes zunächst (sowohl in Interviews als auch auf seiner „Aske“-EP durch das Instrumentalstück „Dominus Sathanas“) als Satanist[6][12][20], was er später als Provokation und Abgrenzungsversuch vom Christentum bezeichnete.[21] Er sehe Satanismus als „judäochristliche Idiotie“ an.[22] Man könne ihn höchstens als Satanisten bezeichnen, wenn man „Satan“ als „der Widersacher“ interpretiere[23]; er sei definitiv ein Widersacher von allem, was jüdisch sei, inklusive ihres „Märchen-Gottes“.[17]

Ein Fluchtversuch im Jahr 2003, an dessen Ende er mit einem Gewehr und 700 Schuss bewaffnet aufgegriffen wurde, führte zu einer Verlängerung der Haftstrafe um 13 Monate.

Am 11. Juni 2008 wurde Vikernes' Antrag auf vorzeitige Entlassung auf Bewährung abgelehnt. Er sei in den Augen der Richter "zu gefährlich" meldete die norwegische Zeitung Verdens Gang und habe zudem dem "Arbeids- og velferdsforvaltningen" (der norwegischen Arbeits- und Wohlfahrtsbehörde) keinen Plan vorgelegt, wie sein Leben nach der Freilassung aussehen wird. Vikernes äußerte der Zeitung gegenüber sein Unverständnis hierüber, da er "ein Haus, eine Familie und einen Job" habe, die auf ihn warten, er also kein Sozialhilfeempfänger werden würde.[24]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. lt. norwegischem Steuerregister
  2. a b c Interview with Burzum in Terrorizer #28
  3. a b Interview from Greek Metal Hammer (Autumn 1997)
  4. Interview from Norwegian Nationalist Magazine "Fritt Forum / Norsk Blad"
  5. a b INTERVIEW WITH BURZUM (NIFLHEIM MAGAZINE, 1993)
  6. a b Satan Rides The Media
  7. Interview with Burzum
  8. a b An interview w/ Mayhem answered by the Cunt
  9. a b Varg Vikernes: A Burzum Story: Part II - Euronymous (englisch; Zugriff: 30. März 2007)
  10. Translation of a late 1992 interview
  11. Sounds of Death #4 1994
  12. a b INTERVIEW WITH BURZUM (C.O.T.I.M. ZINE #4)
  13. a b Interview in Sounds of Death #5
  14. Varg Vikernes: A Burzum Story: Part VII - The Nazi Ghost (englisch; Zugriff: 30. März 2007)
  15. Interview from Heresy zine #3
  16. And Thus Spake Varg.... (Burzum Page Interview)
  17. a b Interview with Burzum from Genocide Zine
  18. [http://www.burzum.com/burzum/library/interviews/abruptum/ Interview with Josh of Abruptum zine (Feb. 1998)
  19. Interview mit Varg Vikernes
  20. UP FROM THE ASHES - OR INTO A PRISON?
  21. A Burzum Story: Part I - The Origin And Meaning
  22. A Burzum Story: Part III - The Lie-Propaganda
  23. Interview in Sounds of Death #5
  24. Artikel in der VG

[Bearbeiten] Weblinks